Waldhonigtracht
Es blüht und summt

Waldhonig entsteht aus Ausscheidungen von bestimmten Lausarten, sogenanntem Honigtau. Die Läuse sitzen in den vorderen Astgabeln von Fichten- oder Tannenzweigen, teilweise auch an den Stämmen. Dort saugen sie den Saft der Fichten oder Tannen und ernähren damit sich und ihre Nachkommen, die sich in ihrem Körperinnern entwickeln. Nicht benötigter Zucker wird als Honigtau ausgeschieden. Diese wasserklaren Tropfen werden anschliessend von den Bienen geerntet.
Wer liefert den Honigtau?
Es gibt verschiedene Lausarten. Die Lecanien (Quirlschildläuse) honigen zu Beginn der Saison, teils bereits im April. Reiner Lecanienhonig besitzt eine helle rötliche Farbe und hat einen intensiv würzigen Geschmack.
Sobald die hellgrünen Maitriebe der Fichten wachsen, kann man die Pilicornis (Rotbraune bepuderte Fichtenrindenlaus) finden. Sie verbreiten sich massenhaft, wodurch es in kurzer Zeit grosse Mengen Honigtau entstehen können. Bei genauem Hinschauen kann man den Honigtau als Glitzern in den Fichten erkennen. Nicht nur die Bienen, auch viele andere Insekten nutzen den Honigtau gerne als Nahrungsquelle. Sichtet man ganze Ameisenstrassen, welche die Baumstämme hochwandern, deutet das mit ein hohes Honigtauvorkommen in den Baumkronen hin.
Ab Juni beginnt die Waldhonigtracht bei den Tannen. Der beliebte dunkle Tannenhonig stammt unter anderem vom Honigtau der Grünen Tannenrindenläuse. Sie sind gut getarnt, jedoch lassen sie sich bei genauer Betrachtung an ihren leuchtend roten Augen erkennen. Weitere bei uns vorkommende Lausarten auf Tannen sind die Braunschwarze Tannenrindenlaus sowie die Colorado-Tannenrindenlaus.
Zementhonig - Wenn der Honig kristallisiert
Im vergangenen Jahr gab es in der Region Neckertal häufig Zementhonig. Dieser entsteht bei der Präsenz von Melezitoseläusen (Grosse schwarze Fichtenrindenlaus). Bereits in den Waben kristallisiert dieser aus und wird zu betonhartem Honig. Das Schleudern, also Herausholen des Honigs aus den Waben durch den Imker, wird dann sehr schwierig.
Imker, welche keine festen Bienenstände haben, sondern mit ihren Völkern von Ort zu Ort wandern, halten im Wald Ausschau nach Läusen und deren Honigtau. Wenn sie geeignete Läuse in ausreichender Anzahl finden, platzieren sie ihre mobilen Kisten an diesen Orten und wechseln deren Standort, wenn die ungewünschten Melezitoseläuse aktiv sind. Das Wissen über die anstehende Waldtracht ist für Wanderimker von grosser Bedeutung. Deshalb wurde gemeinsam mit Forschern eine Diagnosemethode entwickelt, um Voraussagen über die bevorstehende Waldtracht zu machen. Im Juni und Juli werden hierfür die Läuse verschiedener Tannen je einmal ausgezählt.
Wann gibt es besonders viel Waldhonig
Ein ergiebiges Waldtrachtjahr tritt typischerweise alle zwei bis vier Jahre auf. Ob es ein gutes oder schlechtes Waldtrachtjahr wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Durch grosse Marienkäferkolonien können ganze Lauspopulationen ausgelöscht werden, denn auf dem Speiseplan der Marienkäferlarven stehen die Läuse ganz zuoberst. Auch die Witterung hat einen grossen Einfluss. Läuse vermehren sich in kalten Sommern weniger. Sehr heisse Sommer allerdings verfestigen den Honigtau, so dass dieser von den Bienen schlechter aufgenommen werden kann. Länger andauernder Regen wäscht den Honigtau ab, sodass die Bienen ihn ebenfalls nicht mehr ernten können.