Durstiger Wald

Trockenstress erhöht die Waldbrandgefahr

In der Vegetationszeit steht den Bäumen immer weniger Wasser zur Verfügung. Zum einen, weil die Verdunstung aufgrund steigender Temperaturen zunimmt. Zum anderen, weil es immer weniger Sommerniederschläge gibt.
Die Verdunstung geschieht über Spaltöffnungen in den Blättern. Um Wasser zu sparen, schließen sie diese Öffnungen, wodurch die Fotosynthese nur noch eingeschränkt möglich ist. Die Vitalität der Bäume nimmt ab, wodurch das Risiko für Windwurf, Pilz- und Insektenbefall steigt.
Die Fichte und Buche machen in der Schweiz über die Hälfte der Waldbäume aus. Doch gerade diese beiden Baumarten bekunden mit den sich verändernden klimatischen Bedingungen große Schwierigkeiten.
Deshalb ist es wichtig, dass sich der Wald weiterentwickelt und Baumarten gefördert werden, die mit den wärmeren und trockeneren Bedingungen umgehen können. Ahorne, Eichen, Lärchen oder auch der Kirschbaum sind Beispiele von Baumarten, die als klimafit gelten.

Menschliches Verhalten als Risiko – und Teil der Lösung
Mit der Trockenheit steigt auch die Waldbrandgefahr. Blitzeinschläge sind die einzigen natürlichen Auslöser von Waldbränden. Drei Viertel der Waldbrände werden durch menschliches Fehlverhalten ausgelöst. Ein weggeworfener Zigarettenstummel, ein nicht gänzlich ausgelöschtes Grillfeuer oder ein heißer Motor reichen aus, um ein Feuer zu entfachen. Aufgrund von temporären gesetzlichen Feuerverboten und weiteren Präventionsmaßnahmen geht der Anteil menschlich verursachter Brände zurück. Weitere Maßnahmen sind zum Beispiel das Offenhalten von Wiesen und Weiden, die als Puffer dienen und die Ausbreitung von Bränden verlangsamen oder verhindern.
Der Bund unterhält eine schweizweite Gefahrenkarte für Waldbrände, welche in Zusammenarbeit mit den kantonalen Behörden erstellt wird. Dabei werden die Gefahrenstufen gering – mäßig – erheblich – groß – sehr groß unterschieden. Ab der Stufe 3 «erheblich» dürfen beispielsweise im Freien Feuer nur in bestehenden Feuerstellen entfacht werden.

Chancen und Risiken für die Waldentwicklung
Waldbrände bieten die Chance für mehr Biodiversität. So können durch die lichten Strukturen Pflanzen wachsen, die zuvor unter den Bäumen nicht keimen konnten. Die Insektenanzahl sowie -vielfalt nimmt vorübergehend ebenfalls zu. Zudem kann der Wandel hin zu einem Wald mit klimafitten Baumarten beschleunigt werden, da beispielsweise Eichen und Lärchen Waldbrände deutlich besser überstehen als Föhren oder Fichten. Dies allerdings alles auf Kosten einer vorübergehenden Einschränkung der Schutzwirkung des Waldes. Da die Waldflächen durch den Brand unbestockt sind bzw. die Hitze die Holzeigenschaften noch lebender Bäume verändert hat, steigt die Gefahr für Siedlungen und Infrastruktur durch Rutschungen, Steinschläge und Murgänge. Schnellwachsende Sträucher und Pionierbaumarten wie Pappeln, Birken oder die Weide breiten sich zuerst aus, bieten aber im Vergleich zu anderen Baumarten eine geringere Schutzwirkung.
Am häufigsten brennen die Wälder auf der Alpensüdseite. Im Winter und Anfang Frühling ist die Gefahr am größten, da es in dieser Zeit am trockensten ist. Aufgrund der Klimaveränderungen (höhere Temperaturen, weniger Sommerniederschläge, vermehrt Blitzeinschläge ohne darauffolgenden Regen) steigt die Waldbrandgefahr in den Monaten Juli und August. Durch Waldbrandprävention und verbesserte Löschorganisation lässt sich das durch den Klimawandel erhöhte Risiko derzeit ausgleichen. Für die Zukunft werden insgesamt weniger, dafür jedoch größere und schwer kontrollierbare Waldbrände erwartet. Auf der Alpennordseite, wo zurzeit vor allem kleinflächige Brände auftreten, muss in Zukunft mit größeren Bränden gerechnet werden. Folglich sind auch hier Präventionsmaßnahmen sehr wichtig.

Quellen
wsl.ch
tree-app.ch
ethz.ch
srf.ch
Foto: pixabay.com; Autor: Hans