Die ökologische Rolle von Totholz
Warum abgestorbene Bäume für den Wald unverzichtbar sind
Auf den ersten Blick erscheint ein Wald grün und lebendig. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch eine andere Seite des Waldes. Man sieht tote Stämme, verrottende Äste und alte Baumreste, die auf den ersten Blick leblos wirken. Trotz ihres Aussehens erfüllen sie jedoch wichtige Funktionen und sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Ökosystems.
Formen und Zersetzung von Totholz
Totholz kann in vielen verschiedenen Formen vorkommen. Dazu gehören unter anderem umgestürzte und stehende Baumstämme sowie Baumstümpfe und Asthaufen.
Ausserdem lässt sich Totholz nach seinem jeweiligen Zersetzungsgrad einteilen. Man unterscheidet zwischen Frischholz, das noch Saft enthält, Hartholz, das bereits saftfrei, aber noch fest ist, Morschholz, das zunehmend an Stabilität verliert, und Moderholz, das bereits weich geworden ist.
Das Endstadium bildet das sogenannte Mulmholz. Dieses ist sehr locker und hat teilweise bereits eine pulverige Struktur.
Aber was macht Totholz so besonders?
Totholz erfüllt mehrere wichtige Funktionen. Zu diesen gehört unter anderem seine Schutzfunktion. Sowohl stehende als auch umgestürzte Baumstämme tragen dazu bei, Naturgefahren zu mindern. Einerseits stabilisieren sie den Waldboden und können so Erosionen vermeiden. Andererseits dienen sie als natürliche Barrieren gegen Steinschlag. Totholz spielt auch eine wichtige Rolle bei der Waldverjüngung, insbesondere in feuchten, hochgrasreichen Bergwäldern. Fichten wachsen beispielsweise besonders gut auf vermoderndem Holz.
Die wichtigste Funktion von Totholz ist jedoch seine Bedeutung für das Waldökosystem. Totholz ist nicht nur eine zentrale Nahrungsquelle für zahlreiche Pilze, sondern bietet auch viele Tierarten einen Lebensraum. Es dient Insekten, Mäusen und Fledermäusen als Unterschlupf und bietet Brutvögeln wertvolle Nistmöglichkeiten.
Totholz ist besonders wichtig für sogenannte xylobionte Organismen und saproxylische Arten. Dazu gehören verschiedene Vögel, Moose, Flechten, Säugetiere und vor allem zahlreiche Insektenarten. Diese Organismen leben im oder auf dem Holz und einige sind sogar vollständig von Totholz abhängig. Ohne ausreichend Totholz würde ein bedeutender Teil der biologischen Vielfalt im Wald verloren gehen.
Massnahmen zur Förderung von Totholz
All dies zeigt, wie wertvoll Totholz für das Waldökosystem ist und wie wichtig es ist, diese Ressource langfristig zu erhalten. Allerdings gibt es in den Schweizer Wäldern immer noch zu wenig Totholz, auch wenn die Mengen in den letzten Jahren zugenommen haben. Um diese Entwicklung weiter zu unterstützen, werden Massnahmen umgesetzt. Dazu gehört die Schaffung von Altholzinseln. Diese sind naturnahen, älteren Waldbeständen nachempfunden. In Altholzinseln werden einzelne Bäume (partieller Nutzungsverzicht) oder alle Bäume (vollständiger Nutzungsverzicht) so lange erhalten, bis sie selbst zusammenbrechen und verrotten. Ebenso werden, wo es möglich ist, flächenmässig grössere Naturwaldreservate ausgeschieden. Dort finden über einen langen Zeitraum keine Eingriffe statt. Zu guter Letzt wird auch im Rahmen der Holzernte und der Waldplanung gezielt liegendes und stehendes Totholz gefördert.