Das Auerwild
Eine gefährdete Vogelart unserer Wälder
Das Auerwild gehört zur Vogelgruppe der Raufusshühner und ist die grösste der vier einheimischen Arten dieser Gruppe. Der männliche Vogel, der sogenannte Auerhahn, ist durch sein grauschwarzes Gefieder mit einer dunkelgrün schimmernden Brust und einer bräunlichen Tönung auf den Flügeln gekennzeichnet. Besonders auffällig sind sein fächerförmiger Schwanz sowie seine beeindruckende Körpergrösse. Ein Auerhahn kann zwischen drei und fünf Kilogramm wiegen.
Die Weibchen, die sogenannten Auerhennen, sind deutlich kleiner als die Männchen und etwa ein Drittel leichter. Sie erreichen ein Gewicht von etwa 1,5 bis 2 Kilogramm. Ihr braun-schwarz gestreiftes Gefieder dient als gute Tarnung und schützt sie besonders während der Brutzeit vor Feinden.
Das Auerwild ist tagaktiv und lebt hauptsächlich in Wäldern. Es bevorzugt lichte, naturnahe, grossflächige und möglichst störungsarme Gebirgswälder. Im Sommer halten sich die Tiere meist am Boden auf, während sie sich im Winter häufiger in den Bäumen aufhalten. Die Nahrung der ausgewachsenen Tiere besteht hauptsächlich aus Pflanzen, Nadeln und Beeren. Die Küken hingegen ernähren sich in den ersten Lebenswochen vor allem von Insekten, da diese besonders eiweissreich sind und ein schnelles Wachstum ermöglichen.
Balz und Fortpflanzung
Besonders bekannt ist der Auerhahn für seine eindrucksvolle Balz, die hauptsächlich im Mai und Anfang Juni stattfindet. Während dieser Zeit stolziert der Hahn mit gefächertem Schwanz, gesenkten Flügeln, gesträubten Bartfedern und hochgestrecktem Hals durch den Wald. Sein Balzgesang besteht aus mehreren Phasen. Meist beginnt die Balz auf einem Baum, wo der Hahn erste Strophen hören lässt. Danach setzt er seine Balz am Boden fort. Der Gesang beginnt mit dem sogenannten «Knappen», steigert sich zum «Hauptschlag» und endet mit dem charakteristischen «Wetzen». Mit diesem eindrucksvollen Verhalten versucht der Hahn, die Weibchen zu beeindrucken und zur Paarung zu bewegen.
Nach der Paarung legt die Auerhenne ihr Nest am Boden an und legt durchschnittlich sieben bis acht Eier. Während der etwa 26 Tage dauernden Brutzeit bleibt sie meist in der Nähe des Nestes und verbringt auch die Nächte am Boden.
Gefährdung und Bestandsrückgang
Allerdings ist die Auerwildpopulation in den letzten Jahrzehnten sowohl in der Schweiz als auch in ganz Mitteleuropa stark zurückgegangen. Im Jahr 1970 gab es in der Schweiz noch mindestens 1100 Auerhühner. Bis 2001 hatte sich diese Zahl jedoch etwa halbiert, und die Population wurde auf nur noch etwa 550 Tiere geschätzt. Aus diesem Grund steht das Auerhuhn heute auf der Roten Liste der Schweiz und gilt als stark gefährdet.
Der Rückgang der Population hat mehrere Ursachen. Einerseits sind die Nester am Boden besonders anfällig für Nesträuber, wodurch viele Eier oder Jungvögel gefressen werden. Andererseits verändert sich der Lebensraum des Auerwilds zunehmend. Viele Wälder werden dichter und dunkler oder durch Strassen erschlossen, was die Lebensbedingungen für das Auerwild verschlechtert. Zusätzlich nimmt der Druck durch menschliche Aktivitäten zu. Freizeitaktivitäten wie Wandern, Skitouren oder Mountainbiken können das Auerwild besonders in sensiblen Zeiten stören.
Schutzmassnahmen für das Auerwild
Trotz dieser Herausforderungen ist das Auerhuhn ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems der Gebirgswälder. Massnahmen zum Schutz des Auerwilds haben oft auch positive Auswirkungen auf viele andere Tier- und Pflanzenarten. Eine wichtige Rolle spielen dabei forstliche Massnahmen. Dazu gehört zum Beispiel die Förderung von Weisstannen sowie von Heidelbeeren und anderen Beerensträuchern durch eine gezielte Auflichtung des Waldes. Zudem sollte von April bis Juni möglichst auf forstliche Arbeiten in bekannten Auerwildgebieten verzichtet werden, um Störungen während der Balz- und Brutzeit zu vermeiden. Auch ein insgesamt lichterer Waldaufbau sowie das Stehenlassen einzelner alter Bäume können den Lebensraum deutlich verbessern. Darüber hinaus ist es wichtig, Gebiete mit Auerwild vor menschlichen Störungen zu schützen, beispielsweise durch Wildruhezonen oder durch eine gezielte Lenkung von Freizeitaktivitäten.